Leseprobe: Machtkämpfe

- Gartenparty -

 

Die Pflöcke sind schnell eingeschlagen, einzig das Wetter war bisher ein Problem. Warm musste es sein, zudem sehr sonnig. Eine Kombination, welche in der Voreifel nicht gerade alltäglich anzutreffen ist.

 

Geduldig habe ich gewartet, jedoch zunehmend angespannt, den geplanten Ibiza Urlaub meiner Sklavin dabei stets im Blick.

Sie hatte ihn sich verdient, den Drei-Tages-Trip unter Frauen. Verdient wie mein in sie gesetztes Vertrauen, aber man wusste ja nie.

 

Immer näher rückte das Abreisedatum, immer frustrierender wurde die andauernde Kälte. Würde ich doch meinem Plan B folgen und vor Reiseantritt der drei Freundinnen ins Solarium ausweichen müssen?

 

Geplant hatte ich das Ganze schon lange. Bereits beim Buchen der Reise und dem Gedanken an Sommer, Sonne und Strand, schoss mir jene erregende Fantasie durch den Kopf. Verwirklichen jedoch, ließ sie sich leider nie.

 

Dann aber war es endlich so weit, knapp eine Woche vor dem Abflug. Schon morgens stieg das Toluol, welches in romantischen Erzählungen auch gerne irrigerweise als Quecksilber bezeichnet wird, über die 22 Grad Celsius Markierung des im Schatten der Veranda hängenden Thermometers. Mittags dann brannte die Sonne erbarmungslos vom wolkenlosen Himmel. Kein Lüftchen ging und es war an der Zeit, meine Geliebte für den Kurzurlaub entsprechend herzurichten.

 

Eine drei viertel Stunde ist es nun her, dass ich die Wickets in Abständen von circa zwei Metern in den Boden trieb. Gerade weit genug, um die dazwischen ausgestreckte Frau an Händen und Füßen sicher fixieren zu können, welche nun seit ebenfalls ungefähr derselben Zeit derart gefesselt nackt auf dem Rasen unseres Bungalow-Grundstücks liegt.

 

Ich hingegen sitze im Schatten, nippe hin und wieder an einer eiskalten Pina Colada und betrachte genüsslich das sich mir bietende Schauspiel.

 

Viel zu sehen gibt es hier nicht, mag der ein oder andere unbeleckte Zuschauer enttäuscht bemerken. Mir aber fallen die Feinheiten des Leidens nur allzu deutlich ins Auge.

 

Wie sie sich windet, meine Kate, ebenso verzweifelt wie erfolglos darum bemüht, ihre Qualen durch die Verlagerung ihres Körpers irgendwie zu lindern. Wie sie zu kleinen Bächen werden, die anfänglich vereinzelten Schweißperlen auf ihrer blassen, samtenen Haut, bevor der ganze Körper schließlich von einem glänzenden Film überzogen beginnt, wie Elfenbein im Sonnenlicht zu glänzen.

 

Kein Laut ist ihr entfahren, seit ich sie zum Garen mit gespreizten Gliedmaßen an den hölzernen Spielmarkierungen des Krocket Spiels fixierte. Sehr tapfer ist sie, ich erkenne dies durchaus an.

 

Eine Viertelstunde gebe ich der Vorderseite noch, dann wende ich die Sklavin und fessle sie erneut. Sie, die Tochter aus gutem Hause und ehemalige Miss Meckenheim, lässt es widerspruchslos über sich ergehen, was meinen Stolz auf sie - angesichts ihrer fortgeschrittenen Ermattung - kurzzeitig gar ins geradezu Unermessliche steigen lässt.

 

Ein Kuss in den Nacken, ein geflüstertes: “Dann mal viel Spaß noch Kleines“ und ich kehre zu meinem Drink zurück, überaus glücklich, mich dem Backofen dort draußen wieder entziehen zu können.

 

Kurz, wirklich sehr kurz, schäumt Mitleid für das von Sonnenstrahlen malträtierte Geschöpf in mir auf. Dann aber überwiegt die Lust am Leid des Gegenübers und die Gewissheit, das Richtige zu tun.

 

Zu Beginn unserer Beziehung war das anders, damals war sie noch die treibende Kraft. Gar nicht genug dominant und bestimmend konnte ich ihr sein, nicht strikt und gemein genug dazu. Mich schreckte das erst gehörig ab, fühlte es sich doch so an, als solle alles nach Ihren Vorstellungen laufen. Ein Herr auf Knopfdruck, das wollte ich auf keinen Fall sein. Sadist nach ihren Wünschen und Grenzen, nein danke!

 

Ich zog mich zurück. Beachtete ihre Ungehörigkeiten und kleinen Provokationen nicht mehr und erreichte so schließlich, dass sie mich auf Knien um Führung nach meinen Vorstellungen, meinen Lüsten und Gelüsten anflehte.

 

Angeblich bestimmt in Beziehungen immer der, der weniger liebt, aber so weit würde ich niemals gehen. Ich ließ sie lediglich kosten, wie ein gleichberechtigtes Leben sich auf Dauer anfühlen würde, und erlangte somit die Kontrolle über das, was wir uns als Beziehung erträumten.

 

Sie brauchte es, Sklavin zu sein, die nach meiner Pfeife tanzt?

Gut, dann aber nach meinen Regeln und im Rahmen meiner Fähigkeiten. Es waren schwere Monate, bis das störrische und egoistische Kind im Körper meiner Sklavin endlich begriff, dass es die erhoffte Sicherheit und Dominanz nur dann erhielt, wenn ich es wollte und genoss.

 

Sie wollte gezwungen sein, ich als Herr auch ohne Zwang anerkannt. Sie wollte durch Strafen und Verbote zum Gehorsam erzogen werden. Ich hingegen sehen, dass sie mir gegenüber aus sich selber heraus Gehorsam an den Tag legte, bevor ich sie durch Erziehung zu weiterreichender Unterwerfung und Hingabe zwang.

 

Versklavung ist weit mehr, als die gemeinsame Jagd nach dem nächsten Kick. Sie erfordert harte Arbeit, Kontrolle der Umstände und Kontrolle über sich selbst, um Selbige schließlich abgeben zu können.

 

Ganz langsam baute ich unser Zusammenleben Schritt für Schritt in die Version einer Beziehung um, welche ich für uns erdachte.

 

Kate muckte hier und dort auf, fiel in ihr altes Muster zurück und stellte Ansprüche, zeigte auf der anderen Seite aber auch stets die benötigte Hingabe und Submission, mir das Führen als Steuermann dieses Zweierkajaks zu ermöglichen. Sie nahm sich zurück, stellte sich hinten an und weckte dadurch eine Leidenschaft und Herrschsucht in mir, wie ich sie bis dato nie erlebt hatte.

 

Ein letzter Schluck vertreibt die Erinnerungen. Von Kälte ist ebenso, wie vom großzügig dem Cocktail beigefügten Crushed Ice, nichts geblieben. Immer noch betrachte ich die tapfer in der Sonne leidende Frau, sehe die Kontraktionen ihrer schmerzenden Muskeln und harre doch aus. Auch Erziehen will gelernt sein, ohne innere Stärke steht man Härte dem Geliebten gegenüber kaum durch.

 

Wohl zehn Minuten vor Ablauf der zweiten Stunde erhebt sich ein Wimmern, dann ein Klagen, doch ich beachte beides nicht. Die volle Stunde muss es sein! Auch für die Rückseite, dann schlendere ich bewusst langsam hinüber zu meiner Braut, knie mich neben sie und hebe sie nach dem Lösen ihrer Fesseln behutsam auf.

 

Sorgsam bade ich Kate im Whirlpool des wohltemperierten Hauses. Ich löse die schwarz bedruckten Klarsichtfolien von ihrem Körper, creme sie anschließend von Kopf bis Fuß mit Feuchtigkeitscreme ein und betrachte sodann mein Werk.

 

Krebsrot und über alle Maßen erschöpft liegt sie vor mir. Das Gesicht vor Endorphinen und Stolz erleuchtet, einen jeweils ebenso hellen wie deutlich lesbaren Schriftzug über Scham, Brüsten und Gesäß.

 

„SKLAVIN“ steht in unübersehbarer Druckschrift überall dort, wo die Buchstaben auf den wohl platzierten Folien das Sonnenlicht abhielten und die Haut unverbrannt blieb.

 

Ich grinse breit, streiche mit den Fingerspitzen vorsichtig die Umrandungen der Buchstaben auf ihrem geschundenen Körper nach und bin mir sicher: Kommt meine Sklavin heute auch wohl vor Schmerzen kaum zu Ruhe, bleibt sie derart markiert auch im 1600 Kilometer entfernten Sonnenparadies garantiert gehorsam und brav.

 

 

 

- Herrin J. -

 

Eines kannte die von Kopf bis Fuß in hautenges, glänzendes Latex gehüllte Frau nicht: Sie kannte keine Gnade.

 

Mir war diese Tatsache nur allzu gut vertraut. War es doch nicht das erste Aufeinandertreffen der strengen Herrin mit diesem hilflosen, mit gespreizten Schenkeln nackt auf einem Gynstuhl vor ihr festgezurrten Sklaven.

 

Genüsslich betrachtete sie ihr Opfer, das Gesicht dabei ebenfalls von einer schwarzen, glänzenden Latexmaske verhüllt, welche nur Öffnungen für ihre Augen, Naselöcher und den Mund bereit hielt.

 

Schweigend saß diese imposante Erscheinung minutenlang einfach da, die etwa siebzig Zentimeter messende Stahlgerte in der linken Hand. Im auf Hochglanz polierten, schwarzen Stoff ihres Catsuits, spiegelte sich der sie umgebende, flackernde Kerzenschein, was ihre üppigen Rundungen und ausladenden Brüste nur noch mehr zur Geltung brachte.

 

Die überall im Raum aufgestellten Kerzen, welche der Szenerie einen fast sakral zu nennenden Anschein verliehen, waren die einzig existierende Lichtquelle. Der Rest des gefliesten Kellers lag im Dunkeln.

 

Immer unangenehmer wurde die vorherrschende Ruhe, immer stärker der Wunsch, etwas zu sagen oder einfach zu schreien, einzig trauen tat ich es mich nicht.

 

Mein Gegenüber, die immer noch bewegungslos dasitzende Herrin J, verstand bei Ungehorsam keinen Spaß und ich war nun wirklich nicht in der passenden Lage, weiteren Groll gegen mich zu schüren.

 

Oberhalb der Treppe, welche in die Küche des von mir und meiner Angetrauten gemeinsam bewohnten Einfamilienhauses führte, genoss ich weitreichend Narrenfreiheit. Hier unten bei dieser Frau aber, herrschte die Gewalt.

 

„So, da sind wir also schon wieder, was?“ Die ruhig aber nicht ohne bedrohlichen Beiklang gestellte Frage beendete völlig unvermittelt die quälende Stille. Ich zuckte vor Schreck augenblicklich zusammen, schluckte trocken, hielt aber meinen Mund.

 

Jetzt ging es also los, ihr Verhör...

 

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